Der Kommentar: Das Beiglein unserer Post im Briefkasten wird täglich etwas grösser. Nein, ich meine nicht die Bettelbriefe der Hilfswerke vor den Festtagen und auch nicht die lästigen Rechnungen zum Jahresende. Sondern die handgeschriebenen Karten mit den Wünschen für fröhliche Weihnachten oder für einen guten Rutsch ins neue Jahr. Sie fragen jetzt vielleicht neidisch, warum ich so viel Post bekomme. Ganz einfach, weil auch ich schreibe.

Seit genau 15 Jahren verschicke ich zu Neujahr «meine» Karte. Mit wachsendem Erfolg. Angefangen hat es in London. Ich war mehrere Monate dort und wollte einigen Freundinnen, Bekannten und der Familie einen besonderen Gruss schicken – auch angesteckt durch die ausufernde britische Tradition der «Season’s Greetings». Das Echo auf meine fotografische Botschaft «Sabine glücklich in London» war überwältigend. Also machte ich mich im Jahr darauf wieder auf die Suche nach einem passenden Sujet. Der Empfängerkreis wuchs und wuchs.

In diesen Tagen schreiben mein Mann und ich gegen 200 Karten. An Menschen, die wir mögen, mit denen wir in diesem Jahr gemeinsam etwas erlebt haben, aber auch an Menschen, denen wir endlich wieder einmal ein Lebenszeichen schicken möchten. Es sind übrigens weniger die Freude auf «Gegenpost» oder das Dankenmüssen für bereits erhaltene Karten, die uns beflügeln. Spass und Befriedigung verschafft uns das gute Gefühl, das entsteht, wenn man an jemanden denkt, ihm etwas Gutes wünscht, jemandem Mut macht nach einem schwierigen Jahr oder vor einer schwierigen Entscheidung. Unsere Texte sind nicht lang, aber weil sie handschriftlich an jeden und jede gerichtet sind, kommen sie an.

Zu einer persönlichen Karte gehört auch ein persönliches Bild. Eine Kollegin, die ebenfalls mit Begeisterung und motiviert von den Reaktionen eine Jahreskarte verschickt, sucht für ihre Familie immer im Dezember einen besonderen Ort für ein Selbstauslöser-Bild. Bei uns ist es ein Foto von einem Erlebnis, das unser Jahr prägte. Schon unter dem Jahr kommt uns oft der Gedanke: Halt, das gäbe vielleicht DAS Foto – und schon ist die Vorfreude geweckt. Die Freunde daran teilhaben zu lassen, schafft Verbundenheit. Das ist uns die Arbeit – und das Porto – wert.