Der Kommentar: Die SBB sparen am falschen Ort. Seit sie 1994 im Regionalverkehr damit begonnen haben, die Zugbegleiter abzuschaffen, haben sich in den S-Bahnen Service,
Sicherheit und Sauberkeit deutlich verschlechtert.

Es wäre zwar übertrieben zu sagen, der Vandalismus habe in den Schweizer Bahnen überhandgenommen. Doch die Gewalt gegen Passagiere und Personal ist gestiegen, das Schwarzfahren nimmt auf viel befahrenen Strecken zu, und viele unbegleitete Züge wirken schmuddelig. Schweizer Qualität sieht anders aus.

Ich vermisse den guten alten Kondukteur, der mit sonorer Stimme klarmacht, wer der Chef an Bord ist. Nur schon dieses autoritäre, aber keineswegs unsympathische Auftreten sorgte für Ruhe und Ordnung. Noch viel wichtiger: Kondukteure sind hilfsbereit, geben Auskunft, verkaufen Billette, Klassen- und Streckenwechsel, geben Ortsunkundigen Auskunft, helfen Behinderten, Betagten und Reisenden mit Kleinkindern oder schwerem Gepäck beim Einsteigen. Und so weiter.

Das alles wollen die SBB nun auch bei Schnellzügen über Bord werfen – selbst in Zügen, in denen man über eine Stunde unterwegs ist. Die Bahnchefs schwören stattdessen auf Billettautomaten, Videoüberwachung, private Sicherheitsdienste und die Transportpolizei. Sie können aber den Kondukteur niemals ersetzen.

Bin ich ein unverbesserlicher Nostalgiker? Dass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet der frühere SBB-Chef Benedikt Weibel: In seiner privaten Westbahn in Österreich fährt in jedem Zug mindestens ein Kondukteur mit, der Billette kontrolliert und verkauft. Wieso nicht auch bei uns?

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