Es sind längst nicht nur «die Kaufleute», die darunter leiden. Die Währungskrise ist beim Büezer angekommen: Die ersten Arbeitsplätze werden gestrichen, die ersten Löhne gesenkt. Ist es der Anfang einer Rezession? Noch ist unklar, ob das Börsengewitter das Vorzeichen für eine längere Schlechtwetterperiode ist. Oder ob schon bald wieder die Sonne scheint. Sicher ist bloss die allgemeine Unsicherheit.

Es sind historische Tage, die wir in unserem liberalen Musterland erleben. Die unabhängigste Notenbank der Welt interveniert auf Druck der Bundespolitik und öffnet die Geldschleusen in nie gekanntem Ausmass. Und der freisinnige Wirtschaftsminister stampft ein Konjunkturprogramm von 2 Milliarden Franken aus dem Boden, das den Marktgläubigen in seiner Partei die Schamröte ins Gesicht treibt.

Doch beide Akteure, die Nationalbank wie der Bundesrat, haben mit ihren Massnahmen diese Woche nicht überzeugt. Warum hat die Nationalbank die Gunst der Stunde – die «nationale Allianz» aller politischen Kräfte inklusive SVP, die sie unterstützt – nicht genutzt, um das allseits erwartete Wechselkursziel bekannt zu geben? Für eine Untergrenze beim Franken-Euro-Kurs plädieren die klügsten Köpfe aus der Wissenschaft, aber auch Alois Bischofberger, der frühere Chefökonom der Credit Suisse. Offenbar fehlte der Nationalbank der Mut zu einem solchen Schritt – oder die nötige «Frechheit», wie es der Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann formulierte. Kein Wunder, ist der Franken wieder stärker geworden.

Noch weniger überzeugend agiert der Bundesrat. Ein 2-Milliarden-Geldregen mit der Giesskanne kann nicht die Lösung sein. Wenn sich Gewerkschaften und Arbeitgeber einig sind in der Kritik und fordern, die Hilfe solle, wenn schon, gezielt geleistet werden, müsste das der Regierung zu denken geben. Unverständlich ist vor allem, dass diese das Konjunkturprogramm im stillen Bundesratskämmerlein ausgebrütet hat – und Parteien, Wirtschafts- und Arbeitnehmerverbände nicht einbezogen hat. Kein Wunder, wird es im Parlament wohl durchfallen, wie unsere Bundeshausredaktion analysiert.

Die Nationalbank hat den Märkten Placebo verabreicht, der Bundesrat dem Volk. Doch diese Pillen helfen nur, wenn man daran glaubt. Und dieser Glaube fehlt.

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