Insofern wäre das, was wir gerade in der helvetischen Politik erleben, die Antithese zu Pfingsten. Hier wird in verschiedenen Sprachen gekämpft, und keiner versteht den anderen. Ist die Affäre Christa Markwalder nun ein Skandal – es war gar von Spionage die Rede – oder ein Sturm im Wasserglas? Darüber wird selbst in der FDP mit verschiedenen Zungen gesprochen. Einzig am Freitag scheint hinter den verschlossenen Türen des Fraktionszimmers ein Pfingstwunder geschehen zu sein: Alles ist gut, hiess es hinterher. Zumindest bis zum 1. Juni, wenn das Büro des Nationalrats entscheidet, ob Markwalder das Kommissionsgeheimnis verletzt hat.

Aneinander vorbeigeredet wird auch im Abstimmungskampf um das Radio- und Fernsehgesetz (RTVG). SRG-Präsident Raymond Loretan beklagt in unserem Interview, dass die Debatte sich nicht um das eigentliche Abstimmungsthema dreht – wie werden die Gebühren erhoben –, sondern darüber diskutiert wird, was die SRG inhaltlich leisten soll und welche Sendungen zum Service public gehören (Seite 8). Und er kritisiert, dass die RTVG-Gegner mit einer «Politik des Hasses» die Vorlage zu demontieren versuchen. Aber ist das so schlimm? Ist es nicht eher so, dass sich der Gewerbeverband jetzt, wo ein Sieg möglich scheint, auf der Zielstrecke mit Diebstahl-Inseraten und sonstigen Übertreibungen selber demontiert?

Die «NZZ» berichtete diese Woche über eine Studie, die zeigt, dass «rabiate bis primitive Kampagnen» zu einer intensiveren und thematisch breiteren Debatte führen. Die Stimmbürger beginnen sich eher für eine Vorlage zu interessieren – sie informieren sich und verstehen sie am Ende besser. Das wäre genau das, was wir in einer direkten Demokratie brauchen.
Frohe Pfingsten!

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper