Nehmen wir beispielsweise Deutschland: Insgesamt kamen 174 000 Deutsche in die Schweiz. Das ist spürbar. Wir haben mehr Ärzte, Professorinnen und Billettkontrolleure aus unserem nördlichen Nachbarland. Und wir stossen auf deutsche Weisswürste und süssen Senf in den Supermarktregalen. Anders Spanien: Trotz grassierender Arbeitslosigkeit wanderten weniger Spanier in die Schweiz ein, als unser Land verliessen. Unter dem Strich leben in der Schweiz fast 6000 Spanier weniger in der Schweiz als 2002.

Die Zahlen zeigen: Die Schweiz ist ein hochattraktives Land für Einwanderer. Sie wird es auch in Zukunft sein, solange es uns wirtschaftlich besser läuft als in Europa. Und weil Schweizer Unternehmen auf Fachkräfte angewiesen sind, sollten wir auch die Grenzen nicht dichtmachen. Personenfreizügigkeit bringt Dynamik in unser Land, das ist gut. Ich lebe lieber in einem Land, dessen Bevölkerung wächst, als in einem Land, das schrumpft wie etwa Deutschland.

Gleichwohl müssen wir uns ernsthafte Gedanken machen, wie es mit der Personenfreizügigkeit in den nächsten Jahren weitergehen soll. Dass wir nicht sofort die Verträge auf Kroatien ausweiten, scheint ein vernünftiger Schritt zu sein. Ebenso sollten wir uns Gedanken dazu machen, wie wir mit unseren unmittelbaren Nachbarn umgehen sollen.

Deutsche, Franzosen, Italiener können ohne jegliche Sprachbarrieren in die Schweiz einreisen. Ein deutscher Arzt, der heute seinen Job in einer Klinik in Hamburg an den Nagel hängt, kann morgen in einem Spital in der Schweiz anfangen. Einen sprachlichen Sondereffort muss er nicht leisten, wir sprechen ja Deutsch. Würde er nach Dänemark, Schweden oder Belgien gehen wollen, wäre dies nicht so einfach möglich. Diesen Punkt haben die Erfinder der Personenfreizügigkeit schlicht vergessen.

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