Der Kommentar: Die «Financial Times» und der «Economist», die beiden liberalen Leuchttürme des britischen Journalismus, trommelten gegen den Brexit. Nachdem die Bevölkerung anders entschieden hat, ist in den Spalten dieser Medien nun Interessantes zu lesen. «Die uneingeschränkte Personenfreizügigkeit der EU ist eine Anomalie», kommentiert der «Economist». Es gebe gute Gründe, zu regeln, wer in ein Land zum Arbeiten und Leben kommen dürfe. Die «Financial Times» empfahl der britischen Regierung, mit der EU über die Einführung einer «Notbremse» zu verhandeln.

Die Parallelen zur Debatte über die Masseneinwanderungsinitiative sind offensichtlich. Es gibt auch in der Schweiz gewichtige liberale Stimmen, welche die Freizügigkeit hinterfragen. Gerhard Schwarz, ehemaliger Direktor der Denkfabrik Avenir Suisse, schrieb gestern in der NZZ, deren Wirtschaftschef er war, Bemerkenswertes. Die EU «strapaziert ihre Mitglieder – und Partner wie die Schweiz –, wenn sie Wanderungsfreiheit als besonders liberale Errungenschaft deklariert und zum Dogma erhebt». Einschränkungen der Freizügigkeit seien «nicht illiberal». Denn Einwanderung in ein Industrieland bedeute Einwanderung in eine über lange Zeit aufgebaute Infrastruktur, in einen Wohlfahrtsstaat und in eine gewachsene Staatskultur. Kürzlich hat schon der liberale Vordenker Konrad Hummler in der «Schweiz am Sonntag» gesagt: «Freihandel und Personenfreizügigkeit bedingen einander nicht, das sind zwei verschiedene Wertegefässe.»

Noch ist das in Bundesbern wie in Brüssel eine Minderheitsposition. Die politische und ökonomische Grosswetterlage in Europa legt nahe, dass sich das ändern könnte.

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