Der Kommentar: Wie originell! Avenir Suisse hat die Lösung gefunden, die den Kollaps unseres Verkehrssystems abwenden soll: höhere Preise für die Benützer von Schiene und Strassen. Für diese Idee hätte es nicht unbedingt eine teure Studie gebraucht.

Es ist der falsche Ansatz, die Pendler dafür zu strafen, dass sie hauptsächlich zwischen 6.30 und 8.30 Uhr zur Arbeit fahren, und zwischen 16.30 und 18.30 Uhr wieder nach Hause. Denn die wenigsten tun es freiwillig. Jahrzehntelang hat man die Schweizerinnen und Schweizer zum Pendeln erzogen. Die Flucht aus den Zentren in die Agglomerationen und in die Landgemeinden war politisch gewollt. Man hat in jedes Dorf eine S-Bahn gezogen, die nun – welch Überraschung – halt genutzt wird. Die Stadtflucht wurde erst in der jüngeren Vergangenheit gestoppt, als das Wohnen in der Stadt auch für Familien wieder hip wurde.

Dieser neue Trend hat das Leben in den Städten aber massiv verteuert. Erst in Zürich und Genf, dann auch in mittelgrossen Städten des Mittellandes schossen die Mieten in die Höhe (von Wohneigentum ganz zu schweigen). Viele Arbeitnehmer haben gar keine andere Wahl, als auf dem Land zu leben und in die Stadt zu pendeln.

Avenir Suisse würde besser mal erforschen, wie Unternehmen mit den neuen Kommunikationsmitteln ihren Arbeitnehmern die Heimarbeit erleichtern könnten. Und wie Arbeitgeber einen Kulturwandel herbeiführen: In vielen Firmen gelten noch immer Präsenzzeiten wie zu Stechuhr-Zeiten, auch in Branchen, wo das nicht nötig wäre. Zuerst müssen neue Arbeitszeitmodelle her, bevor der Weg ins Büro teuer wird.

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