Der Kommentar: Das chinesische Regime in Peking wird in den Hauptstädten dieser Welt geschont. Menschenrechtsverletzungen werden geschönt oder ganz ausgespart. Umarmen statt ausgrenzen lautete die Losung. Mit der Einbindung in die Weltwirtschaft, dem rasanten wirtschaftlichen Wachstum, dem wachsenden Wohlstand, so das Kalkül, würde sich in China automatisch Bürgersinn entwickeln und der Ruf nach mehr Freiheit und demokratischen Verhältnissen erschallen. Damit verbunden ist die Hoffnung auf eine sanfte, kontinuierliche und unblutige Reform von oben.

Das Problem: Die roten Diktatoren machen bei diesem Kalkül nicht mit. Wie sich jetzt in Hongkong zeigt, denken sie nicht im Traum daran, die Fesseln der Repression zu lockern. Dabei wäre es für das Regime ein Leichtes gewesen, die Demonstranten mit einem Dialog zu besänftigen.

Die überheblichen roten Diktatoren wähnen sich als Sieger. Doch das Regime hat seine Maske fallen lassen und zeigt aller Welt seine hässliche Fratze der Macht. Peking hat keine Nachsicht mehr verdient. Dazu weckt das Regime gerade durch die Gesprächsverweigerung jene freiheitsliebenden Geister, die es eigentlich vertreiben wollte. Die Schere zwischen dem selbstherrlichen Regime und den Bürgern öffnet sich dabei immer weiter.

Nun ziehen Demonstranten wieder durch die Strassen Hongkongs und wissen dabei ganz genau, dass sie vorerst kein Entgegenkommen erwarten können. Doch vielleicht hat der Funke ja gezündet. Vielleicht ist gerade jetzt die chinesische Zivilgesellschaft erwacht. Dann wäre die Regenschirm-Bewegung die wahre Siegerin.

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