Der Kommentar: Bundesanwalt Michael Lauber wird im Sommer vom Parlament in Bern zweifellos mit gutem bis glänzendem Resultat in seinem Amt als Bundesanwalt bestätigt. Wen immer man dieser Tage im Bundeshaus auf Lauber anspricht: In der Regel löst das eine Lobeshymne aus.

Das sollte allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Parlament das falsche Gremium für die Wahl des höchsten Strafverfolgers im Land ist. Das zeigt sich am Verhalten von Michael Lauber in aller Deutlichkeit. Der Bundesanwalt verwendet viel Energie darauf, dem Wahlgremium zu gefallen.

Man sieht das etwa daran, dass er den Kontakt namentlich zu Meinungsmachern unter den Parlamentariern ausgiebig sucht. Auch daran, dass er als Strafverfolger bisher Entscheide vermied, die ihm Ärger mit einflussreichen Gruppen wie den Banken hätten eintragen können. Er glaubt das wohl tun zu müssen, denn er will im Unterschied zu seinem Vorgänger von diesem arg verpolitisierten Parlament wiedergewählt werden.

Damit zeigt sich, dass auch die von Thomas Minder verlangte Wahl des Nationalbank-Direktoriums durch das Parlament statt durch den Bundesrat ein grober Fehler wäre. Dann wären künftig auch noch Leute wie Thomas Jordan versucht, sich mit den 246 Parlamentsmitgliedern gutzustellen oder wenigstens mit den wichtigsten und einflussreichsten unter ihnen.

Bundesanwaltschaft wie Nationalbank brauchen Leute an der Spitze, die ihrem gesetzlichen Auftrag verpflichtet sind und nicht ihrem Image. Auch wenn ihnen das mehr Kritik als Lob einträgt.

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