Der Kommentar: Der Papst war jahrzehntelang das zugkräftigste Argument für konservative Kirchenvertreter in der Schweiz, wenn diese mal wieder einen progressiven Abweichler zurückpfeifen wollten. Denn «Rom» war verlässlich gegen jede Veränderung – und gegen die Einmischung der Kirche in politische Angelegenheiten.

Und jetzt das! Der neue Papst setzt gleich bei seiner ersten Reise ein politisches Signal. Sie führte ihn Anfang Woche auf die Flüchtlingsinsel Lampedusa. Franziskus prangerte das «Desinteresse gegenüber Flüchtlingen» und die «Gefühllosigkeit gegenüber dem Aufschrei der Anderen» an. Und forderte eine «Abkehr von der Globalisierung der Gleichgültigkeit».

Seine sozial- und wirtschaftspolitischen Worte sind ein Appell zur Einmischung, ein Appell zur Tat. Gleichzeitig wird nun publik, dass die Schweizer Bischofskonferenz dem politisch engagierten Abt Werlen ein Auftrittsverbot in Fragen des Sonntagsverkaufs auferlegte. Das scheint mit Blick auf den neuen Papst keine sehr Rom-treue Massnahme zu sein. Franziskus, der im Auftritt auf fast alle Insignien der Pracht verzichtet, wird mehr und mehr zum Konservativen-Schreck. Die Mehrheit der Schweizer Bischöfe muss umdenken.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!