Auch in der Schweiz weitet sich der Graben zwischen Optimisten und Pessimisten – vor allem seit der Annahme der Masseneinwanderungsinitiative und dem Ende des Euro-Mindestkurses. Die Pessimisten berauschen sich an Untergangsszenarien: Für sie sind die bilateralen Verträge mit der EU klinisch tot, sie sehen die Massenabwanderung von Arbeitsplätzen voraus und den Kollaps der Export- und der Tourismusbranche. Die Optimisten leben auf einer Insel der Glückseligen, in einem Land mit rekordtiefer Arbeitslosigkeit, rekordhoher Kaufkraft, und sie erklären diese Segnungen auch und gerade mit der Unabhängigkeit von der EU mit ihren Schuldenbergen und ihrer Schwachwährung.

Die Welt und mit ihr die Schweiz sind widersprüchlich geworden, scheinbare Gesetzmässigkeiten ausser Kraft gesetzt. Fünfzehn Jahre ist es her, seit ich mein Wirtschaftsstudium abgeschlossen habe, aber vieles von dem, was wir damals als wissenschaftliche Gegebenheit vermittelt bekamen, gilt nicht mehr: Die Zentralbanken drucken Geld wie noch nie, längst müssten wir unter Inflation leiden, stattdessen herrscht Deflationsgefahr. Und das Internet hat die Produktivität gewaltig verbessert, doch das führt nicht zu mehr Wirtschaftswachstum.

In so einer Welt hilft nur eines: Zu lernen, mit Ungewissheiten umzugehen. Und vielleicht das Bonmot des Clowns Charlie Rivel zu beherzigen: «Der Optimist hat nicht weniger oft recht als der Pessimist. Aber er lebt froher.»

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