Der Kommentar: Mit dem Attribut «mächtigster Mann der Welt» wird der US-Präsident häufig versehen – weil er eine Machtfülle besitzt, von der eine deutsche Kanzlerin oder ein Schweizer Bundesrat nur träumen kann. In der Realität allerdings ist der politische Spielraum des Präsidenten bisweilen überraschend klein. Denn die amerikanischen Parlamentarier reagieren auf Druckversuche des Weissen Hauses störrisch. Dies zeigt sich im Hickhack um die Erhöhung der Schuldengrenzen, das Washington seit Wochen in Atem hält.

Dabei besässe Barack Obama ein politisches Werkzeug, um das ihn jeder Kongressabgeordnete beneidet: den direkten Zugang zu den Medien. Vorgänger wie Ronald Reagan und Bill Clinton haben gezeigt, wie eine geschickte Kommunikationsstrategie und ein Dialog mit den Wählern den präsidialen Anliegen zum Durchbruch verhelfen können.

Ausgerechnet Muster-Rhetoriker Obama aber hat hier versagt. Seine Medienauftritte während der Schuldenkrise wirken kopflos. Es fehlt die Botschaft: Die amerikanische Bevölkerung wartet vergeblich auf einen präsidialen Sanierungsplan mit Händen und Füssen – der einen Ausweg aus der Haushaltmisere aufzeigen würde. Stattdessen schielt Obama bereits auf den nächsten Wahltag im November 2012.

So will er am Mittwoch, am Tag, nachdem seiner Regierung das Geld ausgehen könnte, an einer Veranstaltung zur Beschaffung von Spendengeldern für seinen Wahlkampf auftreten. Nicht erstaunlich, ist die Zustimmung für die Amtsführung des Präsidenten in den Umfragen abgesackt. Der Mann, der 2008 die Welt mit dem Slogan «Yes, we can» verzückte, hat das Gespür für die Stimmung im Volk verloren.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!