Der Kommentar: Jetzt ist es amtlich: Krippen sind schlecht für Kinder. Sie machen die Kleinen aggressiv, und nicht nur das: Die Forscher wollen auch herausgefunden haben, dass Krippenkinder eher ängstlich und depressiv sind, ja dass sie sogar vermehrt zum Lügen und Stehlen neigen. Während sich die Gegner von Kinderkrippen angesichts dieser wissenschaftlichen Erkenntnisse zufrieden die Hände reiben, stellen sich arbeitenden Eltern die Nackenhaare auf. Kaum einer gibt sein Kind gerne ab, und tun Eltern es dennoch, quält sie das obligatorische schlechte Gewissen. Schon bevor sie von den besagten Studienergebnissen wussten.

Was nun? Alle Krippen schliessen, die Frauen vom Schreibtisch zurück an den Herd? Nicht wirklich. Unser Gesellschaftsmodell, in dem Mann und Frau arbeiten wollen und die Grosseltern nicht mehr nebenan wohnen, funktioniert nicht ohne Krippen. Statt Fremdbetreuung generell zu verteufeln, gilt es sie zu verbessern.

Der zentrale Punkt: Es braucht bessere Krippen mit besserem Personal, und zwar für alle, nicht nur für Doppelverdiener, die sich Plätze in den wenigen Luxus-Krippen und damit ein gutes Gewissen kaufen können. Gute Krippen muss es auch für die Familien geben, in denen beide Eltern gezwungen sind, zu arbeiten, und die keine andere Wahl haben, als ihr Kind abzugeben. Hier sind die Krippenaufsichten in den Gemeinden in der Verantwortung: Sie müssen sicherstellen und kontrollieren, dass in den Einrichtungen genügend qualifiziertes Personal arbeitet und die Arbeitsbedingungen gut sind. Denn, auch das zeigen die Studien: Der Schlüssel zu glücklichen Krippenkindern sind Betreuerinnen, denen ihre Arbeit Spass macht und die Kinder lieben.

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