Der Kommentar: Es ist bitter: Vier Jahre nach dem Kriegspräsidenten George W. Bush sind die USA in der islamischen Welt so unbeliebt wie zuvor. Vergessen scheint Barack Obamas Rede von Kairo, in der er 2009 einen Neuanfang zwischen dem Westen und den Muslimen ausrief. Dieser Tage verbrannten Islamisten Puppen des US-Präsidenten, und im Libanon skandierten sie: «Höre Obama, wir sind alle Osama». Was zeigen die Proteste?

Erstens: Der Einfluss der USA im Nahen Osten ist seit dem Arabischen Frühling zurückgegangen. Vorbei sind die Zeiten, als sich die Amerikaner auf Staatschefs wie Mubarak verlassen konnten, die islamistische Mobs im eigenen Land unter Kontrolle hatten. Niemand wird aber diesen Diktatoren ernsthaft nachtrauern. Die Tatsache, dass diese von den Amerikanern lange gestützt wurden, hat dazu beigetragen, dass das Ansehen der USA im arabischen Raum so schlecht ist.

Zweitens: Den neuen Regierungen kommt die Verantwortung zu, sich von Extremisten zu distanzieren, aus deren Reihen sie zum Teil selbst kommen. Es kann nicht sein, dass Ägyptens Präsident Morsi zuerst vom US-Präsidenten am Telefon gemassregelt werden muss, bevor er Gewalt klar verurteilt.

Drittens: Es lässt sich nicht verhindern, dass bei uns islamfeindliche Karikaturen oder Filme ins Internet gestellt werden. So geschmacklos sie auch sind: Es ist falsch, wenn wir uns dafür entschuldigen. Fluch und Segen sind hier dasselbe: Soziale Netzwerke wie Youtube, Facebook und Twitter beförderten vergangenes Jahr den Sturz der Tyrannen. Nun erweisen sie sich als Brandbeschleuniger.

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