Der Kommentar: Natürlich ist es empörend, wie Wladimir Putin mit Russlands westlichen Nachbarn umspringt. Inzwischen scheint sich der starke Mann im Kreml keinen Deut mehr um die Grundsätze des Völkerrechts zu kümmern. Im Überlebenskampf der Ukraine gibt aber auch der Westen keine gute Figur ab. Die Kakofonie der Meinungen ist ohrenbetäubend – und eine starke Antwort auf die Provokationen Putins steht bisher aus.

Daran schuld ist auch Barack Obama. Der amerikanische Präsident stellt sich in der Ukraine-Krise auf den Standpunkt, eine militärische Intervention stelle keine Option dar. Putin solle stattdessen mit einer Mischung aus ökonomischen und politischen Sanktionen zur Einsicht gezwungen werden. Aus Sicht des Weissen Hauses mag diese Position folgerichtig sein. In weltpolitischen Konflikten setzt Obama seit Amtsantritt auf Zuckerbrot statt Peitsche. Die amerikanischen Falken haben deshalb schon lange die Hoffnung in Obama verloren. Der Präsident taumle von diplomatischer Krise zu diplomatischer Krise, sagen sie, ohne jemals Rückgrat zu zeigen.

Obama kontert, dass Kriege ein Mittel des 19. Jahrhunderts seien. Heutzutage reichten diplomatische Druckmittel und eine Prise Geduld aus, um Autokraten wie Putin wieder auf Kurs zu bringen. Das mag zutreffen. Leider aber ist Geduld in Washington ein seltenes Gut. Die hohe Politik in der amerikanischen Hauptstadt steht vielmehr ständig unter Druck, Resultate zu liefern – oder das Thema zu wechseln. Dies gilt insbesondere in einem Wahljahr wie 2014. Bald schon wird Obama sich deshalb entscheiden müssen, welches Gewicht er einer souveränen Ukraine beimisst. Putin hingegen steht nicht unter Zeitdruck. Seine Amtszeit läuft erst im Jahr 2018 ab.

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