Die Ausgangslage ist freilich eine ganz andere. Der Feldzug gegen das Saddam-Regime war durch nichts zu rechtfertigen. Die angeblich existierenden irakischen Massenvernichtungswaffen entpuppten sich als glatte Geheimdienstlüge, die das Vertrauen zwischen den USA und ihren wichtigsten Partnern erschütterte. Heute rücken die Staaten wieder enger zusammen. Der Sicherheitsrat stimmte diese Woche einstimmig einer Resolution des US-Präsidenten zu. Das militärische Vorgehen gegen den «Islamischen Staat» scheint breit abgestützt. Die barbarischen Enthauptungen sind real, auf Youtube im Internet abrufbar.

Eine andere Frage ist, ob es Obama gelingen wird, den Islamischen Staat (IS) zurückzudrängen. Das militärische Arsenal dazu hat er. In der Luft sind die hoch technisierten Streitkräfte überlegen. Doch das wird nicht ausreichen, um den IS zu vernichten. Die USA setzen deshalb auf Rebellen, die am Boden die blutige Dreckarbeit erledigen sollen. Sie sind ein erheblicher Unsicherheitsfaktor. Wer kontrolliert diese Truppen? Wie viele braucht es überhaupt? Es gibt viele unbekannte Variablen in diesem Krieg.

Zu einer verlässlichen Grösse in dieser wirren Welt steigt ausgerechnet der syrische Machthaber Bashar al-Assad auf. Sein politisches Kalkül scheint aufzugehen: Lange liess er den IS in seinem Staat gross und mächtig werden, mit dem Ziel vor Augen, dass der Westen später auf ihn setzen muss, um das Problem zu lösen. Schon Napoleon wusste: Der Feind meines Feindes ist mein Freund. Diese Entwicklung war absehbar. Zu lange liess Obama die Lage in Syrien ausser Kontrolle geraten. Jetzt muss er mit einem der blutigsten Diktatoren zusammenspannen, der in seinem Land 800 000 Menschenleben auf dem Gewissen hat.

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