Der Kommentar: Warum setzt der Schweizer Film auf nostalgische Folklore? Auf Kindergeschichten aus den Bergen? Diktiert die konservative Welle in Gesellschaft und Politik jetzt sogar das Kino-Programm? Nach «Schellen-Ursli» kommt bald «Heidi» in die Kinos. Das Mädchen aus Johanna Spyris Roman wird wohl ebenso Erfolg haben wie der Bub, den Alois Carigiet einst so eigenwillig in Bilder gefasst hat. Vielleicht gar internationalen Erfolg.

Tatsächlich mag Nostalgie oder mögen Kindheitserinnerungen die Schweizerinnen und Schweizer dazu bringen, sich doch wieder mal ein Kinobillett für eine einheimische Produktion zu kaufen. Vorgesetzt bekommen sie aber kein konservatives Berglermenü, nicht Verherrlichung alter Werte oder Réduit-Munition. Im Gegenteil: Die Filmer – Xavier Koller wie Alain Gsponer – verherrlichen neben den tatsächlich eindrücklichen Bergen nämlich nichts. Sie betonen innere Werte. Die Schweiz von früher zeichnen sie realistisch: arm, dreckig, hart. Die Berglerkost ist mager, das Leben von damals nicht erstrebenswert – und wer nicht verhungern wollte, musste auswandern. Heimweh inbegriffen.

Regisseur Alain Gsponer hat eine andere – unschweizerische – Erklärung, warum man Filme wie «Schellen-Ursli» oder «Heidi» dreht. Heute verkaufen sich nur Marken. Grosse Marken. Die Leute gehen für das ins Kino, was sie schon kennen. Wer Geld verdienen will, setzt auf Sequels wie «James Bond» und «Star Wars» oder auf Verfilmungen von bekannten Romanen. Immerhin lohnt sich der Kinobesuch beim «Schellen-Ursli» wie beim «Heidi».

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper