Der Kommentar: Die Hiobsbotschaft kam überraschend: 1080 der 2000 Stellen, die Novartis abbauen will, betreffen die Schweiz, vor allem Basel und Nyon. Im knallharten US-Stil, wie es der ehemalige Ketchup-Manager Joe Jimenez gewohnt war, nahm man sich nicht einmal die Mühe, das Personal oder die Basler Regierung vorgängig auf die Massenentlassung vorzubereiten. Es ist eine Faust aufs Auge, wenn Novartis an einem Tag die Milliarden-Gewinne des dritten Quartals als «starke finanzielle Performance» lobt und gleichzeitig wegen einer «Anpassung an die Kostenstruktur» 2000 Stellen streicht. Eine derart seelenlose Schizophrenie des Konzerns ist nicht zu verstehen.

Novartis dreht ohne Not an der Spirale der Eskalation. Leichtfertig setzen die coolen Manager den Arbeitsfrieden in der Schweiz aufs Spiel. Dabei sind dieser Frieden und die kompromissfähigen Gewerkschaften ein hohes Gut des hiesigen Werkplatzes. Die globalen Pharmachefs treiben ihr böses Spiel noch weiter. Sie begründen den Stellenabbau mit dem Druck auf die Medikamentenpreise – und erpressen so quasi die Politik. Gestern hat die Gewerkschaft Unia den Novartis-Ball aufgenommen. An einer Demonstration durch Basel mit tausend Personen machten die Gewerkschaften klar, dass für sie das Tabu des Arbeitsfriedens brechen könnte. Als ersten Schritt kündigten sie den Chemie-GAV.

In früheren Jahren stellte Verwaltungsratspräsident und Millionen-Verdiener Daniel Vasella die Pharmaindustrie gerne als im Dienste der Menschen dar. Heute ist sie zum Selbstbedienungsladen der Pharmamanager verkommen. Wenn man die superhohen Managerlöhne zurückstufen und die Millionen-Boni streichen würde, wäre ein Stellenabbau kein Thema.

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