Die andere Seite ist: War es Leichtsinn? Fahrlässigkeit? Abenteuerlust? Es ist schwer nachzuvollziehen, weshalb man ohne Polizeischutz in die Hochburg der Taliban reisen kann. Ein Blick in den Reiseführer oder ein Klick im Internet zeigt sofort, wie es um die Sicherheit in der Gegend von Loralai in der Provinz Balutschistan steht. Die Frage nach der Verantwortung darf also gestellt werden – auch jene der Kostenübernahme.

Das entführte Paar ist für die Profis beim konsularischen Schutz im Departement Calmy-Rey kein Einzelfall. Täglich geraten irgendwo auf der Welt fünf Schweizer in Not. Dass die Kosten in die Millionen gehen, wenn die Krisen-Maschinerie anläuft, zeigt der Fall der ehemaligen Mali-Geiseln Gabriella und Werner Barco Greiner. Aus der Eigenverantwortung wird plötzlich eine Verantwortung für die Allgemeinheit – und den Steuerzahler.

Ob der Rundreisende in Pakistan, der Töfffahrer im Sudan oder der untrainierte Bergsteiger am K2: Sie alle verbindet die Suche nach dem Kick. Motto: No risk, no fun. Im Notfall ist ja die Rega oder die offizielle Schweiz zur Hilfe. Schliesslich ist man Gönner und hat den roten Pass.

Der Albtraum ist hoffentlich bald zu Ende für Daniela W. und David O. Sie werden für ihre Lust auf spezielle Ferien gestraft sein oder sie am Schluss sogar bereuen. Trotzdem braucht es klare Regeln durch das EDA, wann Regress auf Touristen in Not genommen werden kann. Das Restrisiko hat zu tragen, wer es eingegangen ist. Damit die Hilfe nicht selbstverständlich wird.


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