Der Kommentar: Die Regierung soll regieren und nicht rodeln, Magistraten sollen Macht ausüben und nicht malen: Wenn der Bundesrat sein Reisli macht, sind die Spötter unüberhörbar präsent, und die Lästerer bringen sich ohne Zeitverlust in Stellung. Ich kann sie nicht mehr hören.

Die Regierenden müssen doch hinaus aus ihren Amtsstuben und hin zu den Regierten! Möglichst oft und wenns nicht häufiger geht, dann wenigstens zwei Tage pro Jahr und in corpore. Sie sollen die Sommerrodelbahn hinuntersausen und sich im Keller eines Kunsthauses mit den Tücken der gekonnten Pinselführung auseinandersetzen. Warum denn nicht?

Wer sich so freudvoll wie unbeholfen mit Malfarben beschäftigt, sich so ängstlich wie hilflos gegen den immer schneller werdenden Sommerschlitten zu wehren versucht, ist mir jedenfalls näher als der Griesgram, der das Monopol auf Missmut, Verdrossenheit und schlechte Laune zu haben scheint. Ärgerlich am Bundesratsreisli ist nicht das Unterwegssein im eigenen Land, sondern die Verärgerung und der Unwillen, die dem sozialdemokratischen Bundesrat Moritz Leuenberger Jahr für Jahr und stets von Reisebeginn an im Gesicht geschrieben sind.

Man braucht weder von Physiognomik noch von Körpersprache etwas zu verstehen, um dem Infrastrukturminister anzusehen, wie schwer er sich mit den Ausflügen zum Volk tut. Nichts gegen das Casinotheater Winterthur, nichts gegen das Theater Schiffbau in Zürich – den normalen Bürger und Steuerzahler trifft man allerdings eher beim Bummel durch die Aarauer Altstadt oder beim Brunch auf dem Bauernhof.

Das Bundesratsreisli kann nur so gut oder so peinlich herauskommen, wie es die Mitglieder des Gremiums zulassen. Nicht die Idee, gemeinsam zu den Bewohnern dieses Landes zu reisen, ist revisionsbedürftig. Sondern allenfalls die Zusammensetzung der Regierung, die sich einmal pro Jahr gemeinsam zum Souverän begibt.