Der Kommentar: Erstmals eine SVP-Frau an der Spitze des Parlaments. Das klingt für die Baselbieter SVP fast zu gut, um wahr zu sein. Die Parteileitung um Oskar Kämpfer drückt deshalb bei der Wahl der Kandidatin beide Augen zu. Sie weiss, dass Daniela Gaugler ein juristisches Problem mit ihrem Bed & Breakfast hat. Doch die Partei verdrängt es. Dabei wäre die Lösung einfach gewesen: Die Frau hätte die Firma ihres Mannes vor Amtsantritt verlassen müssen. Faktisch wird sie ohnehin von ihm geführt. Diese Botschaft wollte Daniela Gaugler in einem gescheiterten Rettungsversuch kommunizieren. Sie nahm ihren Mann an Medienauftritte mit und liess ihn die an sie gestellten Fragen beantworten. Damit wollte sie sich als eine weitere Frau inszenieren, die über ihren Mann stolpert. Doch das versteht niemand, solange sie das Geschäft gemeinsam führen. Sie stolpert über sich selbst.

Die SVP-Männer hätten die Frau vor ihrem tiefen Fall bewahren können. Doch sie verhielten sich genau gleich wie Gaugler. Mit geschlossenen Augen rannten sie ins Verderben. Selbst als es zum grossen Knall kam, blieben sie trotzig und schoben die Schuld anderen zu. Parteichef Kämpfer hätte sich am Freitagabend dafür entschuldigen können, dass er eine Frau verheizt hat. Er hätte eingestehen können, dass er die Situation völlig falsch eingeschätzt habe. Er hätte sagen können, dass die Partei aus dem Desaster ihre Lehren gezogen habe. Doch Kämpfer hat diese letzte Chance verpasst. Er hat damit genau gleich versagt wie Daniela Gaugler. Er könne ihren Rücktritt nachvollziehen, sagte er. Konsequent wäre, wenn er ebenfalls abtreten würde. Der Zeitpunkt vier Monate vor den kantonalen Wahlen ist zwar ungünstig. Viel schlimmer ist aber, dass er jetzt seine Glaubwürdigkeit verloren hat.

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