Der Kommentar: Das Jahr ist noch jung – genauso wie viele gute Vorsätze. Fast jeder hat schon einmal einen gefasst, das Durchhalten ist aber meist schwieriger als erwartet. Laut der neuesten Studie des Forsa-Instituts schafft es nur etwa jeder zweite Deutsche, seine guten Vorsätze länger als vier Monate durchzuhalten. Vergleichbare Untersuchungen für die Schweiz fehlen, die Resultate dürften jedoch ähnlich sein. Nichtsdestotrotz habe ich mir für 2017 vorgenommen, weniger zu jammern.

Die Inspiration für meinen guten Vorsatz verdanke ich dem humorvollen Buch «Jammern gefährdet die Gesundheit» von Moderator und Trainer Dani Nieth. Der Wandel beginnt allerdings ausserhalb der persönlichen Komfortzone, gute Vorsätze haben ihren Preis. Man muss etwas anders machen – und das nicht nur einmal, sondern dauerhaft. Damit das Durchhalten gelingt, braucht es konkrete Ziele und Leidenschaft. Bereits Cicero wusste: «Wer kein Ziel hat, für den ist kein Wind der richtige.»

Für mich heisst das, dass ich mich auch im neuen Jahr für die Schwerpunktthemen meiner Stiftung Bildung, Standortförderung und Vereinbarkeit von Beruf und Familie engagiere. Ich werde Partei ergreifen, Meinungen abgeben und Forderungen stellen mit dem Ziel, das Bildungssystem zu optimieren, die Wirtschaft zu stärken und die Gleichstellung von Frau und Mann weiter voranzubringen. Denn: Ein gutes Bildungssystem bildet die Grundlage für eine gesunde Gesellschaft und eine erfolgreiche Wirtschaft. Gelebte Demokratie in politisch schwierigen Zeiten ist wichtiger denn je und braucht mündige Staatsbürger. Garantie dafür ist eine gute Ausbildung. In Sachen Bildung müssen wir Weltspitze sein. Wir müssen unser duales Bildungssystem stärken, Bildungsbürokratie abbauen und die Digitalisierung des Bildungswesens als Potenzial nutzen. Auch die frühe Förderung bietet viele Chancen. Sie gilt als Schlüsselfaktor für den späteren Lern- und Lebenserfolg.

Hier zu investieren, dient nicht nur dem Wohl unserer Kinder, sondern sichert auch den gesamtwirtschaftlichen Wohlstand kommender Generationen. Deshalb engagiere ich mich als Botschafterin in der Kampagne Ready!, unter deren Dach sich interessierte Organisationen und bedeutende Persönlichkeiten zusammengeschlossen haben, um Kindern bis vier Jahre eine qualitativ hochstehende frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung zu ermöglichen.

Gute wirtschaftspolitische Rahmenbedingungen sind die beste Voraussetzung für einen produktiven und wettbewerbsfähigen Standort Schweiz. Denn Herausforderungen gibt es mehr als genug: Globalisierung, Strukturwandel, Frankenstärke, um nur einige zu nennen. Deshalb gilt es, Wettbewerbsverzerrungen durch staatliche Intervention zu vermeiden, Bürokratie zu minimieren und Steuergelder effizient einzusetzen. Auch das Jungunternehmertum muss gefördert werden, damit wir den Anschluss an die Zukunft nicht verlieren. Aus diesen Gründen unterstütze ich die als Avenir Suisse bekannte Stiftung Zukunft Schweiz, die sich als unabhängiger Think-Tank für die gesellschafts- und wirtschaftspolitische Entwicklung unseres Landes engagiert. Avenir Suisse greift relevante Themen auf, belebt die öffentliche Diskussion mit innovativen Lösungen und leistet so einen Beitrag zur Stärkung des Standorts Schweiz.

Die Gleichstellung von Mann und Frau steht seit 1981 in unserer Verfassung. Der Bundesrat will, dass in den Führungspositionen börsenkotierter Unternehmen mehr Frauen sitzen. Sein Vorschlag zum neuen Aktienrecht sieht eine Frauenquote von 20 Prozent in den Geschäftsleitungen und 30 Prozent in den Verwaltungsräten vor. 2016 sind gemäss Schilling Report aber erst 8 Prozent der Geschäftsleiter und 16 Prozent der Verwaltungsräte der grössten Schweizer Firmen Frauen. Einer der Gründe ist nach wie vor die Schwierigkeit, Kinder und Karriere unter einen Hut zu bringen. Es braucht den Abbau steuerlicher Hürden, flexiblere Arbeitsplätze sowie den Ausbau familienexterner Kinderbetreuung. Denn der vertiefte Einbezug der Frauen in die Arbeitswelt ist mit Blick auf den demografischen Wandel und angesichts des Fachkräftemangels dringend nötig. Deshalb fördere ich die Management-Weiterbildung «Women Back to Business» der Universität St. Gallen. Das Programm bietet Wiedereinsteigerinnen und Umsteigerinnen ein Sprungbrett zurück ins Erwerbsleben, indem es Unternehmen mit qualifizierten Frauen vernetzt.

Jammern bringt uns bei der Lösung dieser Herausforderungen nicht weiter. Das Gegenteil von Jammern bedeutet, Alternativen zu erkennen und neue Wege in Betracht zu ziehen. So empfiehlt Nieth, nicht nach dem Warum, sondern lieber nach dem Wie, Was, Wann und Wo zu fragen. Und dranzubleiben, auch wenn es manchmal schwierig scheint und der Erfolg auf sich warten lässt. Deshalb: Jammern Sie noch oder handeln Sie schon?

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