Der Kommentar: Selten lasen sich Meldungen über einen tödlichen Unfall so kalt wie jene über den Tesla, der in einen weissen Sattelschlepper geknallt war, weil die Sensoren ihn nicht als solchen erfasst hatten. In einzelnen Medien schimmerte Häme durch. Oder unterschwellige Erleichterung: Es stimme eben doch nicht, dass der Mensch «beschränkt» und der Computer «weitaus klüger» sei («Süddeutsche Zeitung»). Die «Verheissungen der Automobil- und Technologieindustrie» seien geplatzt («FAZ»).

Der Unfall ist tragisch für das Opfer und seine Angehörigen. Und er ist, gewiss, ein Rückschlag für eine Technologie, die im Silicon Valley, aber auch von europäischen Autoherstellern als Lösung für die Sicherheits- und Kapazitätsprobleme gehalten wird. Allerdings irren Zyniker, die glauben, nun würden selbstfahrende Autos nie kommen. Sie sind genauso wenig am Ende, wie es der Autopilot im Flugzeug nach dem ersten Absturz war. Die Idee des autonomen Fahrens bleibt bestechend: Die Autos sind digital vernetzt, kommunizieren miteinander, erkennen Gefahren frühzeitig und reagieren blitzschnell. Es war schon vor dem Tesla-Unfall naiv zu glauben, dadurch werde Moritz Leuenbergers einstige «Vision Zéro» wahr: Dass es keinen einzigen Verkehrstoten mehr geben würde.

Nun über die Frage zu streiten, ob der Mensch oder die Maschine der bessere Fahrer ist, mutet absurd an. Es ist das Zusammenspiel von Mensch und Maschine, das die Sicherheit verbessert. Allerdings bestätigt der Unfall die Vermutung, dass es noch lange dauern wird, bis die Computersteuerung ausgereift ist. Sie beruht auf maschinellem Lernen, und hier steht der Durchbruch noch bevor. Gesundes Misstrauen gegenüber neuen Technologien ist angebracht, nicht aber Häme, wenn diese versagen.

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