Ob das legal war, wird das Steueramt des Kantons Bern abklären. Zumindest hat dies der oberste Steuereintreiber des Kantons angekündigt. Es wäre allerdings es eine grosse Überraschung, wenn die Untersuchung tatsächlich Unsauberes zutage fördern würde. Es waren dieselben Steuerbehörden, die dem Ammann-Clan nach dem Rückzug aus der britischen Steueroase den Status einer Domizilgesellschaft gewährten, die ebenfalls steuerprivilegiert ist.

Noch fordern nur die Jungsozialisten den Rücktritt des FDP-Wirtschaftsministers. Noch bleibt es in den Kommentaren beim Tadel, dass dies nicht unbedingt die Art sei, mit der man den eigenen hohen moralischen Vorstellungen gerecht werde. Doch sein mühsam zurechtgezimmertes Image des gerechten Patrons hat irreparablen Schaden erlitten. Wer will ihm jetzt noch glauben, dass er stets das Wohl einfacher Werktätiger höher gewichtete als steigende Dividendenrenditen?

Schneider-Ammann kann einwenden, dass Steuerspar-Konstrukte in vielen Schweizer Unternehmen gang und gäbe waren. Er wird auch ins Feld führen, dass sich seine Ammann-Gruppe stets innerhalb der gesetzlichen Leitplanken bewegte. Doch reicht dies wirklich? Gemessen an seinen eigenen hohen ethischen Standards sicher nicht. Denn nicht alles, was legal ist, ist auch legitim und schon gar nicht ethisch. Der gesetzliche Rahmen wurde geschaffen, um Minimalstandards festzulegen.

Jeder ist frei, die Grenzen auszuloten. Doch er muss sich nicht wundern, wenn ihm der Spiegel vorgehalten wird. Die Fallhöhe für einen sich ethisch gebärdenden Unternehmer ist ungleich höher als für einen notorischen Borderliner.

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