Der Kommentar: Im Januar 2011 geht es Schlag auf Schlag. Die Terminkalender der Parteien sind proppenvoll. Die SVP startet bereits am 7. Januar mit ihrer Kadertagung in Bad Horn und veröffentlicht dann ihre Broschüre «Wahlprogramm 2011–2015» in gedruckter Form. Die CVP präsentiert ihre Wahlkampagne, die SP ihr neues Sozial- und die FDP ihr Migrationskonzept.

Der Wahlkampf 2011 kündigt sich als Wahlkampf der Superlative an. Zwei Mobilisierungs-Tendenzen sind ersichtlich. Erstens ist so viel Geld im Spiel wie noch nie. Zweitens aktivieren alle Parteien ihre Bundesräte. Zu den Finanzen: Nur schon die CVP hat dreimal mehr Mittel zur Verfügung als noch 2007: 3 Millionen. Mit rund 16 Millionen stellte die SVP 2007 alles in den Schatten. Auf 50 Millionen wurden die Ausgaben für Wahlwerbung geschätzt. Ein Rekord. Er wird aber 2011gebrochen.

Zu den Bundesräten: Sie sollen zu Wahllokomotiven werden. Sogar die bisher zurückhaltende FDP will ihre Bundesräte dafür einsetzen. Geld und Bundesräte dienen einem Zweck: Alle Parteien wollen die Definitionshoheit darüber gewinnen, was die Schweiz ist und wohin sie sich bewegen soll. «Schweizer wählen SVP», heisst der Slogan der SVP, «Aus Liebe zur Schweiz» jener der FDP, die CVP sagt: «Erfolg. Schweiz. CVP.» Die SVP will die Bürgerlichen auf ihre Seite zwingen, die Mitte die zentrale gestaltende Kraft werden, die SP mit einem Befreiungsschlag gewinnen. Der Definitionskampf zeigt sich am deutlichsten im Gerangel um die Regierung. Sechs Parteien streiten sich um sieben Sitze.

Klar wird damit eines: Es ist Zeit für neue, moderne Spielregeln. Erstens: Finanzielle Transparenz bei den Parteien ist nötiger denn je. Für den Staatsrechtler Tiziano Balmelli barg die «Explosion der Wahlkampfbudgets» schon 2007 Probleme für die Chancengleichheit. Zweitens: Die Gesamtregierung muss die Regeln für Bundesräte im Wahlkampf neu definieren.

Was ist eigentlich so schlimm daran, wenn Bundesräte auf Plakaten als Aushängeschilder ihrer Parteien gepriesen werden? Drittens: Nach den Nationalratswahlen braucht die Schweiz eine neue Zauberformel. Die Konkordanz ist einsturzgefährdet. Es gibt nur eine Person, welche den Schlüssel in der Hand hat, den gordischen Knoten zu öffnen. Eveline Widmer-Schlumpf. Vielleicht wird sie ja zur Mutter der neuen Zauberformel. Made in 2011.

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