Der Kommentar: Die Stimmbürger müssen sich betrogen vorkommen. 1992 versprach ihnen der Bundesrat, die Neat werde langfristig rentabel sein. Inzwischen sind die Kosten jedoch aus dem Ruder gelaufen, womit dieses Ziel wohl nie erreicht wird.

Auch ein zweites Versprechen erwies sich als leere Luft. Der Bundesrat gaukelte den Bürgern vor, nach der Einweihung des neuen Gotthard-Basistunnels könnten sie in einer Rekordzeit von 2Stunden von Zürich nach Mailand fahren. Das war geflunkert. Denn zwei Jahre früher hatte es in der bundesrätlichen Botschaft noch (ehrlicher) geheissen, von Zürich nach Mailand werde die Fahrzeit 2 Stunden und 35 Minuten betragen.

Prompt wurde die angestrebte Fahrzeit nach erfolgter Abstimmung mehrmals verlängert. Einmal mit Zustimmung des Volks, weil die Neat wegen Geldmangels verkleinert werden musste. Einmal, weil Italien das Versprechen brach, die vereinbarte Südzufahrt auszubauen.

Doch nun ist auch die zuletzt gültige Vorgabe von 2Stunden und 40 Minuten in Gefahr. Dies ausgerechnet wegen den SBB. Sie wollen auf der Gotthard-Neat keine Neigezüge einsetzen, was eine längere Fahrzeit zur Folge hat. Das darf der Bund keinesfalls hinnehmen. Es geht nicht an, dass die bundeseigene Bahn ein Versprechen hintertreibt, das der Bund den Stimmbürgern gegeben hat.

Es ist Zeit, dass der Bundesrat aus dem Trauerspiel Lehren zieht. Leere Versprechen wie 1992 darf es vor einer Volksabstimmung nie mehr geben. Sonst nimmt das Vertrauen in die Demokratie Schaden.

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