Als das damalige Spitzengremium der Nationalbank am 6. September 2011 die Kursuntergrenze festlegte, ging es davon aus, dass die Eurokrise nur vorübergehend sein würde. Das erwies sich als Trugschluss: Nach einem kurzzeitigen Hoch gegen Ende 2011 drückten die Märkte den Eurokurs sukzessive an die 1.20-Franken- Grenze.

Die Nationalbank Chefs haben sich mit dem historischen – manche nennen ihn auch heroischen – Entscheid gründlich verzockt. Statt ihre Bilanz mit hübschen Buchgewinnen zu verschönern, falls der Euro gegenüber dem Franken wieder an Stärke gewinnt, muss Thomas Jordan tief in die Schatulle greifen und die Kursintergrenze mittels teuren Interventionen stützen.

Die seit Monaten gleichlautende Brachialrhetorik der Notenbank («Wir werden den Mindestkurs mit allen Mitteln verteidigen etc.») zeigt längst keine Wirkung mehr. Der Kurs kommt nicht von der Untergrenze weg. Und jetzt, wo sich der Himmel über dem Euro weiter verdüstert, greift Thomas Jordan sogar in den geldpolitischen Giftschrank.

So droht er mit Radikalmassnahmen wie eine Beschränkung des Kapitalverkehrs oder die Einführung von Negativzinsen die anhaltende Flucht in den Franken einzudämmen. Die Märkte zeigten sich unbeeindruckt, weil an der Wirksamkeit gezweifelt wird. SNB-Präsident Jordan ist mit dem Latein am Ende.

Was jetzt? Statt mit noch immer härteren Massnahmen zu drohen, sollte sich die Nationalbank schleunigst und ernsthaft mit der Aufgabe der Kursuntergrenze beschäftigen. Sie muss jetzt nach Wegen suchen, wie sie den Franken aus der Geiselhaft des Euros befreien kann. Das nächste wichtige Datum ist der 17. Juni. Dann ist Wahltag in Griechenland. Spätestens bis dann sollte sie einen Plan haben. Denn danach droht das schiere Chaos.

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