Ein Abnützungskampf war es, der durch unsägliche Debatten um Gegenvorschläge und Abstimmungstermine in die Länge gezogen wurde. Der Erfolg ist ihm zu gönnen.

Doch was ist der Gewinn wert? Wird tatsächlich die «Abzockerei» in den Konzernen verschwinden, gegen die Minder ankämpft? Selbstverständlich nicht. Gehälter im zweistelligen Millionenbereich werden auch in Zukunft möglich sein und von den Aktionären abgesegnet. Es werden neue «Abzocker»-Programme entstehen, welche das neu verlegte Minenfeld elegant umgehen. Wie gering das Interesse der Aktionäre an der «Abzockerei» inzwischen ist, zeigte die letzte Generalversammlung von Novartis, bei der nur mickrige 20,2 Prozent gegen das neue Vergütungssystem gestimmt hatten.

Doch das menschlich Beeindruckende an Thomas Minders Kampf gegen die «Abzockerei» sind die ungeheuren Gegenkräfte, die ein überbordender Kapitalismus in einem einzelnen Menschen entfesseln können. Die Tragik besteht freilich darin, dass Minder nahezu nichts erreicht, oder zumindest nicht das, was die Initiative in ihrem Titel verspricht. Die «Abzocker»-Initiative zeigt exemplarisch, wie ein populistisches Projekt an den Realitäten der Globalisierung zerschellt. So gesehen ist Thomas Minder vergleichbar mit den aufbrechenden Protestbewegungen, die derzeit das politische Establishment in Europa erschüttern. Beppe Grillo verspricht den Italienern einen Mindestlohn und lässt offen, wie er diesen finanzieren will. Er flirtet mit der Wiedereinführung der Lira, obwohl Italien unter der Schuldenlast komplett zusammenbrechen würde.

Minder und Grillo entfachen die Wut der Bürger. Doch letztlich bleiben sie ohnmächtig.

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