Natürlich darf der Ehrgeiz nicht nachlassen, insbesondere die deutschen Touristen zurückzugewinnen, und es stimmt auch, dass in China und Russland noch viel zu holen ist. Doch die Analyse ist richtig: Das grösste Potenzial besteht darin, mehr Schweizer für Ferien im eigenen Land zu bewegen. Das zeigt nur schon der Befund einer aktuellen Umfrage, wonach jeder fünfte Ostschweizer noch nie in der Romandie war. Und das erlebt man auch bei Paaren, die, sobald sie Kinder bekommen, nicht mehr so weit reisen wollen und auf einmal staunend die Schweiz entdecken.

Anders als bei Münchhausen soll die Selbstrettung im Tourismus keine Illusion bleiben. Die Verbände fordern, die Ferien kantonal besser zu verteilen: Weil es einfacher würde, eine bezahlbare Ferienwohnung oder ein Hotel zu finden, würden mehr Familien Urlaub machen. Heute erlebt man in den Bergen oft zwei Extreme: Entweder ist alles überfüllt. Oder alles ausgestorben und keine Beiz und keine Bahn geöffnet. Wenn sich die Ferien über eine längere Frist erstrecken, müssten nach ökonomischer Logik die Preise sinken und es gäbe weniger von diesen traurigen Wochen, wo es in den Bergen «tötelet».

Bestimmt wird man tausend Gründe gegen die Neuverteilung finden. Man wird die Harmonisierung des Schulwesens beschwören, pädagogische und gar klimatologische Einwände erheben: Skiferien Mitte März? Unmöglich! Doch abgesehen davon, dass es auf den Pisten im März oft schöner ist als im Januar: Wenn die Schweiz will, dass sie als Tourismusland nicht untergeht, muss sie handeln, und zwar an allen Fronten. Die Ferien-Politik ist dabei nur eine von vielen Massnahmen, die geprüft werden muss. Ausserhalb der Tourismuskantone wird das Ausmass der Krise noch immer unterschätzt. Tut sich nichts, droht unserem drittwichtigsten Wirtschaftszweig der Kollaps und ganzen Bergtälern die Entvölkerung.

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