1,6 Milliarden Gewinn in diesen wilden Zeiten sind nicht von schlechten Eltern. Für uns Anleger steht aber der grosse Showdown unter den Grossbanken erst noch bevor. Am 4. August muss die UBS offen-legen, wie an der Bahnhofstrasse 45 das erste Semester gelaufen ist. Oder wie die Börsianer despektierlich sagen: «Sie muss die Hosen runterlassen und zeigen, was sie hat . . .»

Die hässliche Stagnation des UBS-Börsenkurses lässt keine Wiederholung des Erfolges der Credit Suisse erwarten. Der UBS ist es bis heute nicht gelungen, sich der drückenden Altlasten permanent zu entledigen. Der Karren wurde tief in den Sumpf gefahren und steckt nach wie vor fest. Aber auch der neu angeheuerte Abschleppwagen-Chauffeur Oswald Grübel musste bald resigniert feststellen, dass eine Seilwinde alleine nicht genügt, den festgefahrenen Karren UBS aus dem Morast zu ziehen.

Den schnörkellosen Direktweg zum Wiederaufschwung hat CS-Chef Brady Dougan aufgezeigt. Unbelastet von irgendwelchen helvetischen Seilschaften innerhalb der Bank griff er kompromisslos durch. Risikoreiche Eigengeschäfte wurden minimiert, internationale Kreditengagements konsequent abgebaut. Das alles ging nicht

ohne grosse Verluste, konnte aber – da noch rechtzeitig eingeleitet – ohne Staatshilfen durchgezogen werden. Entsprechend rasch wurde dann auch der Umschwung bewerkstelligt. Und schon wurde dieser Tage der CS das erste Gütesiegel verliehen: Das führende Fachmagazin «Euromoney» wählte die Crew von Brady Dougan zur «global besten Investmentbank der Welt».

Von solchen Auszeichnungen kann die UBS noch lange träumen. Oswald Grübel ist immer noch daran, alte Seilschaften innerhalb der Bank zu zerschlagen. Für zu viele bedeuten die drei Buchstaben UBS weiterhin «Unseren Bonus Sichern». Ihnen muss erst noch beigebracht werden, dass im Umgang mit den Kunden Dienen vor Verdienen kommt.

Grübel und den Seinen wird die Arbeit so schnell nicht ausgehen: Die UBS ist weiterhin mit Dutzenden von freudlosen Baustellen gesegnet. Der 4. August wird eine Auslegeordnung aller anstehenden Probleme und Sorgen bringen. Aber hoffentlich nicht nur das: Die bisher duldsamen Anleger werden ungeduldig. Sie wollen Rezepte sehen, wie das Desaster (endlich) behoben werden kann. Und: Wie man dem in Riesenschritten enteilenden Konkurrenten Credit Suisse wieder Paroli bieten kann.