Genau daran müssen Schweizer Auto- und Motorradfahrer denken, wenn sie das nächste Mal ins Tessin fahren wollen. Schon bald könnte das sogenannte Mobility Pricing eingeführt werden – zumindest will der Bund eine Maut am Gotthard und auch an anderen Orten in der Schweiz prüfen. Das Konzept ist einfach: Benutzer von Strassen und Tunnel sollen eine Benutzungsgebühr pro Durchfahrt entrichten. Bis heute gibt es in der Schweiz nur eine Tunnelgebühr, am Grossen St. Bernhard.

Dies bedeutet die Wiedereinführung der alten Weg- und Strassenzölle, welche 1848 mit der Gründung des Bundesstaates abgeschafft wurden. Noch heute steht in der Verfassung geschrieben, dass die Benützung öffentlicher Strassen gebührenfrei zu sein habe. Die Strassenzölle wurden aus gutem Grund abgeschafft. Für die Benutzung der Strassen und Brücken wurden oft überrissene Gebühren verlangt. Die Reisenden waren der Willkür einzelner gieriger Beamter ausgeliefert.

Diese Gefahr dürfte in der modernen Schweiz zwar gebannt sein. Doch das Grundsatzproblem bleibt: Was ist ein fairer Preis für eine Durchfahrt am Gotthard? Wie wird der Preis berechnet, mit welchen Abschreibungsdauern wird kalkuliert? Die Berechnungsverfahren dürften so komplex wie unpräzis sein. Deshalb wird man sich auf einen Marktpreis einigen. Der könnte dann zwischen 16 und 30 Franken liegen, wie Economiesuisse ausgerechnet hat.

Die Schweiz ist kein Land für Easy Riders. Mit Strassenzöllen wird sie es noch weniger. Fairerweise müsste das Mobility Pricing auch die Eisenbahn erfassen. Ein 1.-Klasse-Billett (Halbtax) von Zürich nach Basel kostet derzeit Fr. 26.50. Im Vergleich zur künftigen Gotthard-Maut scheint dies ein geradezu lächerlicher Preis zu sein. Es ist ein Marktpreis, der die effektiven Kosten nie und nimmer deckt.

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