Der Kommentar: Gut zwei Jahre nach den Pfiffen gegen den Basler Marco Streller beim Länderspiel in St.Gallen gegen Liechtenstein ist im selben Stadion nun der Basler Alex Frei gedemütigt worden. Mag sein, dass es eine Spur arrogant gewirkt hat, wie Frei zum Penalty anlief; nur drei Schritte, und schon war die Kugel am Lattenkreuz vorbeigezischt. Deshalb aber den Schweizer Captain gleich derart fertigzumachen – auch danach, bei einem von ihm ausgeführten Freistoss und bei seiner Auswechslung –, ist absolut deplatziert.

Frei ist der Letzte, dem zu unterstellen wäre, er habe seine Aufgabe nicht ernsthaft genug angepackt. Keinem bedeutet es so viel, ein Tor zu schiessen, wie Frei. Und am Einsatz hat es dem 31-Jährigen bis zu seiner Ersetzung nach 67 Minuten gewiss nicht gemangelt.

Was das Publikum getan hat, ist Mobbing. Wollen jene, die am Freitag gepfiffen haben, den Schweizer Rekordtorschützen tatsächlich aus dem Team ekeln? Statt ihm Respekt dafür zu zollen, was er mit seinen 40 Toren für das Land alles getan hat!

Oder gehören sie zu jenen, die meinen, mit dem Kauf eines Eintrittsbilletts auch gleich noch das Recht auf einen Sieg und ein Frei-Tor erworben zu haben? Was hat Frei eigentlich verbrochen? Hat er das Publikum beleidigt? Ist es der Neid auf seine grossartige Karriere? Oder die Reaktion darauf, dass der Stürmer Ecken und Kanten hat und verbal manchmal polarisiert?

Es scheint überdies, dass bei manchen Schweizern nach Jahren mit vielen WM- und EM-Qualifikationen die Erwartungshaltung zu gross geworden ist. Sich darauf zu besinnen, woher die Schweiz gekommen ist und mit welchen Spiessen sie im Vergleich mit den grossen Nationen kämpft, täte diesem oder jenem gut.

Nun aber gleich das gesamte Publikum in einen Topf zu schmeissen und die St. Galler generell zu verteufeln, wäre ungerecht. Gewiss hatte es auch Zürcher und Berner unter den Zuschauern gehabt, die pfiffen. Und doch wird man den Verdacht nicht los: In Genf oder Zürich wäre es anders abgelaufen. So passend die AFG-Arena für ein Spiel dieser Bedeutung auch ist: Der Verband muss sich überlegen, ob es nicht angebracht wäre, St.Gallen eine zweijährige Denkpause zu verordnen.