Journalisten und Politiker erwarten nun fiebrig den 9. Dezember, und eine Prognose lässt sich ziemlich risikolos aufstellen: Gewählt wird einer aus dem offiziellen SVP-Trio. Thomas Aeschi, Norman Gobbi oder Guy Parmelin. Denn erstens ist der Sitzanspruch der SVP weitgehend unbestritten. Und zweitens hat niemand in der bürgerlichen Mitte Lust, die SVP mit einem inoffiziellen Kandidaten zu provozieren. Man will endlich zurück zur Normalität, in der Hoffnung, die SVP zu domestizieren. Das höchste der Gefühle bei der SP scheint zu sein, eine Allianz zur Verhinderung von Thomas Aeschi zu zimmern (siehe Artikel links). Der Stempel «Blocher-Zögling» zeigt: Noch immer ist es der Name Blocher, der im Parlament Kräfte freisetzt.

Unsere Redaktion hatte diese Woche die Gelegenheit, die drei Kandidaten im einzigen gemeinsamen Interview zu befragen. Wir erwarteten, dass sich die drei gegenseitig zunicken würden, aber bei zwei SVP-Kernthemen gab es Differenzen: Für Gobbi ist Sparen in der Landwirtschaft kein Tabu, und der Tessiner plädiert dafür, dass sich die Schweiz am EU-Verteilschlüssel für Flüchtlinge beteiligt. Aeschi und Parmelin widersprachen. Ob Gobbi, als Aussenseiter gehandelt, damit ausserhalb der SVP punktet, wird sich weisen.

Wie auch immer die Wahlen am Mittwoch ausgehen: Wirklich zufrieden wird (ausser dem Gewählten) niemand sein. Mit ihrem Trio bietet die SVP dem Parlament zwar eine Auswahl, aber nach acht Jahren vielbeklagter Untervertretung im Bundesrat hätte man von der grössten Partei überzeugendere Kandidaten erwartet. Auch in der SVP selbst sind viele unglücklich, nicht nur die im Auswahlverfahren unterlegenen Kandidaten Heinz Brand und Hannes Germann. Denn keiner aus dem offiziellen Trio wird zum neuen Ruedi Minger werden. Man wird den Verdacht nicht los, dass die SVP mit ihrer Strategie vor allem in der Romandie und im Tessin, wo sie noch Wählerpotenzial sieht, punkten will. Doch dazu sind Bundesratswahlen nicht da – es geht um das Wohl des Landes. Vielleicht hätte man doch die Volkswahl der Bundesräte einführen sollen: Wetten, dass die SVP dann mit anderen Kandidaten gekommen wäre?

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