Die Professionalität der Ermittler und neue wissenschaftliche und technologische Methoden machen unser Leben sicherer: Die Aufklärungsquote steigt. Brutale Täter haben heute weniger denn je die Chance, davonzukommen. Doch der Fall Rupperswil offenbart zugleich die Machtlosigkeit, was die Entstehung einer solchen Tat betrifft: Wie war es möglich, dass ein 33-jähriger Mann, der als unbescholten galt, ohne vorgängige Anzeichen einen Vierfachmord von unbeschreiblicher Brutalität und Kaltblütigkeit planen und durchführen konnte?

Antworten darauf gibt es bislang nicht, und vielleicht wird es sie nie geben. Nach einer so schrecklichen Tat verspürt man das Bedürfnis, Lehren zu ziehen, um zu verhindern, dass etwas Ähnliches je wieder geschieht. Hätte es sich um eine Räuberbande aus Osteuropa gehandelt, wie anfänglich spekuliert worden war, hätte man diesem Bedürfnis entsprechend Forderungen stellen und Massnahmen ergreifen können. Doch der Täter ist ein Mann aus dem Dorf, er wohnte nur 500 Meter vom Haus der Familie entfernt, die er sich als Opfer aussuchte. Er war nicht vorbestraft und lebte so normal, dass nach heutigem Wissensstand weder eine Behörde noch sonst jemand etwas hätte merken können.

Verbrechen dieser Dimension sind äusserst selten. Doch Wahrscheinlichkeitsüberlegungen wirken nicht beruhigend. In die Erleichterung darüber, dass der Fall Rupperswil geklärt ist, mischt sich darum ein Gefühl der Ohnmacht und Beklommenheit: Es kann sein, dass Menschen mit dem Gewaltpotenzial dieses 33-Jährigen mitten unter uns leben, friedlich durch unsere Strassen spazieren, uns grüssen, im Fussballclub mitwirken. Und, vielleicht, irgendwann zum Monster werden.

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