In der Schweiz dagegen wird die nächste wichtige Wahl – die des Nachfolgers von Bundesrat Pascal Couchepin – keinen Rechtsrutsch bringen. Gewählt wird aller Voraussicht nach ein CVP- oder FDP-Kandidat, der links der Mitte steht. So präsentiert sich die Ausgangslage in diesem Machtpoker. Warum?

Erstmals bei einer Bundesratswahl gehen FDP und CVP frontal aufeinander los. Die beiden bürgerlichen Partner werden mit allen Mitteln und Tricks um den frei werdenden Sitz kämpfen – auch mit schmutzigen. Dabei spielt eine Rolle, dass sich ihre Präsidenten Pelli und Darbellay persönlich nicht riechen können.

Die SVP wiederum ist an Couchepins Sitz nicht wirklich interessiert, zumal ihr ein valabler Westschweizer oder Tessiner Kandidat fehlt. Deshalb wartet auf die SVP auf die nächste Gelegenheit – etwa indem sie versucht, Eveline Widmer-Schlumpf (BDP) aus der Landesregierung zu kippen. Das Päckli, das Christoph Blocher jetzt mit der FDP schnüren will, hat kaum Erfolgsaussichten: FDP und SVP bringen in der Bundesversammlung keine Mehrheit zustande.

Die SP kann zusammen mit den Grünen, den Grünliberalen, der EVP und der CVP eine Mehrheit bilden. Aber auch mit der FDP: Grünliberale und EVP müssen wegen des Wahlgeheimnisses nicht zwingend einen CVP-Fraktionskollegen wählen. Fazit: Eher links stehende Christdemokraten und Freisinnige haben einen Startvorteil. Bereits stellt SP-Präsident Christian Levrat Bedingungen: Er wünscht sich einen Bundesrat, der eine «grosse Reform der Sozialpolitik» anpackt.

Königsmacherin dürfte am 16. September also jene Partei sein, die in Europa schwach ist wie nie – und in der Schweiz zuletzt Niederlage um Niederlage eingefahren hat: die SP.