Der Kommentar: Vor Jahresfrist stand das Bankenwesen und damit fast die ganze globalisierte Welt einen Moment lang still. Die Banken gaben sich untereinander kaum mehr Kredite, die Industrieunternehmen erhielten keine Aufträge mehr und die Politik geriet in Panik. Nach dem Konkurs von Lehmann Brothers vergassen fast alle Industrieländer ihre Sorgen um die Staatsdefizite und investierten Milliarden in Stützungsprogramme.

Erst die Amerikaner, dann auch die Engländer und die Deutschen, und nur einen Monat später selbst die prinzipientreuen Schweizer. Denn schlagartig wurde allen klar, ein weltweiter Kollaps konnte nur noch vermieden werden, wenn keine einzige grosse Bank, keine einzige grosse Versicherung und kein einziges grosses Industrieunternehmen mehr pleite ging.

Doch das alles hatte auf absehbare Zeit eine gewaltige Neuverschuldung der Staatshaushalte zur Folge. Damit war jeder Finanzminister, ob sein Parteibuch nun rot oder schwarz ist, nur noch damit beschäftigt, Geld aufzutreiben.

Und jeder Finanzminister weiss, dass er über kurz oder lang die Steuern erhöhen muss, um die Löcher zu stopfen. Insbesondere der amerikanische. Die Folgen waren sofort sichtbar. Auf die Schweiz und andere Steueroasen wuchs der Druck, Informationen über die nicht deklarierten Vermögen zu liefern. Denn nur mit diesem Ablenkungsmanöver kann den Wählern zu Hause erklärt werden, warum im Inland die Steuern erhöht werden müssen.

Als erste praktizierten dies die Amerikaner. Bereits vor Jahresfrist sprachen die Chefs der Schweizerische Nationalbank und der Finanzmarktaufsicht Finma beim Bundesrat vor. Sie machten auf die Achillesferse des Schweizer Bankgeheimnisses aufmerksam: der ungelöste Steuerkonflikt der UBS mit den USA. Doch beim Bund reagierte man zunächst kaum.

Im Finanzministerium hiess es lange, das sei ein UBS-Problem und nicht ein schweizerisches. Sie irrten und mit ihm die Bankiervereinigung, die viel zu lange wartete, bis sie die unhaltbare Unterscheidung von Steuerbetrug und Steuerhinterziehung aufgab. Was dann kam, war die unkontrollierte Kapitulation und die Preisgabe eines Wettbewerbvorteils ohne Gegenleistung. Schade.