Der Kommentar: Aller Voraussicht nach gewinnt heute der eher konservative linke Mann in Bern das Duell gegen die progressive linke Frau: Alec von Graffenried dürfte neuer Berner Stadtpräsident werden. Nicht Ursula Wyss (SP), was ganz Bern noch vor zwei Jahren wie selbstverständlich angenommen hatte. Davon geht man selbst im Lager von Wyss aus. Es ist erschüttert, wie stumpf das Argument Frau geblieben ist – ausgerechnet im linken Bern.

Selbst wenn Wyss doch erste Stadtpräsidentin Berns werden sollte: Das Beispiel verdeutlicht die konservative Welle, welche die westliche Welt erfasst hat. Was vor fünf Jahren undenkbar schien, ist heute Realität, wie etwa Mauern in Europa gegen Flüchtlinge. Political Correctness scheint in vielen Bereichen zum Relikt aus alten Zeiten geworden zu sein. Selbst die Reisefreiheit in Europa – für die Jungen ein Sakrileg – gilt plötzlich als fragil. Genauso wie auch die Medienfreiheit nicht mehr selbstverständlich ist.

Wladimir Putin, Recep Tayyip Erdogan, Donald Trump: Es sind diese drei Männer, die den kulturellen Backlash anführen, der die westliche Welt erfasst hat. Ein Ende ist nicht in Sicht. Könne Trump den Wandel, für den er gewählt worden sei, vom ersten Tag seiner Präsidentschaft an umsetzen, würden die Republikaner in den USA auf lange Frist zur Mehrheitspartei, sagte Trumps Umfragechef John McLaughlin in der «Weltwoche». Trump selbst geht von acht Jahren als Präsident aus, wie er am 22. November auf Twitter deutlich machte.

Vieles deutet darauf hin, dass sich die liberalen Kräfte in der Schweiz, die sich zusammentun, um ein positives und offenes Narrativ der Schweiz zu entwickeln, auf eine lange und harte Durststrecke einstellen müssen.

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