Der Kommentar: Es ist gut, dass Löhne unter 4000 Franken langsam aussterben. Insofern hat die Mindestlohninitiative ihre Berechtigung. Das heisst aber nicht, dass die Schweiz einen gesetzlich vorgeschriebenen, landesweit einheitlichen Mindestlohn braucht. Denn dann müssten auch Unternehmen ihre Mindestlöhne anheben, die sich das nicht leisten können.

Unter Fachleuten ist zwar umstritten, welches die Wirkung wäre. Die Gegner behaupten, gesetzliche Mindestlöhne vernichteten Stellen und verhinderten die Schaffung neuer Arbeitsplätze. Die Zahl der Studien, die dafür oder dagegen sprechen, halten sich ungefähr die Waage.

Aber es lässt sich zweifellos feststellen: Die Schweiz hat eine der tiefsten Arbeitslosenquoten der Welt. Sie hat es wie kaum ein anderes Land geschafft, die Jugendarbeitslosigkeit auf ähnlich tiefem Niveau zu halten wie die allgemeine Arbeitslosigkeit. Wer dennoch arbeitslos wird, schafft es relativ rasch, wieder einen Job zu finden: Der Anteil der Langzeitarbeitslosen ist im internationalen Vergleich tief.

Die Schweiz ist im Gegensatz zu Ländern, die gesetzlich verankerte Mindestlöhne haben, ein Jobwunder. Selbst während der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise stieg hierzulande die Zahl der Beschäftigten. Der Anteil an Tieflohnstellen ist seit Jahren stabil und international gesehen tief, ebenso der Anteil temporär Beschäftigter.

Der internationale Vergleich spricht also nicht für gesetzliche Mindestlöhne. Im Gegenteil: Es gibt keinen Grund, den erfolgreichsten Arbeitsmarkt der Welt mit einem staatlichen Eingriff zu gefährden.

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