Geht es um Geldpolitik, sind demokratische Debatten offenbar unerwünscht. Politiker, die in Sonntagsreden den Liberalismus predigen, wittern Landesverrat, wenn man über die Risiken der Nationalbank-Strategie nachdenkt. Das kennen wir aus China und Kuba. Dort ist Kritik an den Fünfjahresplänen tabu.

Denkverbot beiseite, worum geht es? Die Nationalbank hat am 9. September 2011 eine Euro-Untergrenze von Fr 1.20 eingeführt. Sie hat sie bislang erfolgreich verteidigt, indem sie Euro in rauen Mengen aufgekauft hat. Allein im Mai stiegen die Fremdwährungsbestände um 66 Milliarden auf 304 Milliarden Franken. Jeder, der bei Trost ist, merkt, dass das nicht jahrelang so weitergehen kann. Die Frage ist nicht nur legitim, sondern zwingend: Wie und wann lösen wir den nach unten fixierten Franken wieder – zu möglichst tiefen Kosten? Eine dauerhafte Anbindung würde faktisch einen Beitritt zur Eurozone bedeuten, mit allen Folgen: höhere Zinsen, höhere Mieten, Schuldenübernahme.

Die Schweizer Volkswirtschaft ist fundamental gesünder als jene der Eurozone, unsere Inflation ist tiefer, die Staatsschulden ebenso. All das stärkt den Franken. Ewig lassen sich die 1.20 also nicht aufrecht halten. Vielleicht ist die Schlussfolgerung gar nicht so falsch, dass die Nationalbank besser früher als später den Franken freigibt. Ansonsten kommt es einfach in zwei, drei oder fünf Jahren zum grossen Knall.

Der Schweiz gehe es so gut wie noch nie, stellt Ex-Nationalbank-Chef Philipp Hildebrand in unserem Interview fest. Das sollten auch unsere Kinder dereinst sagen können. Wie bewahren und mehren wir unseren Wohlstand? Darüber nachzudenken und zu debattieren: Das sollte in unserem demokratischen Land schon noch möglich sein.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper!