Der Kommentar: Grosse Politiker äussern sich in grossen Reden am liebsten über die Weltpolitik, darüber also, was sie selbst gestalten wollen. Deshalb fiel eine Passage in der Neujahrsansprache von Angela Merkel auf. Sie nannte fünf Herausforderungen für die Zukunft – und als erste nicht Europa oder den Islamismus, sondern: «Die digitale Revolution, die unser Leben fundamental verändert.»

Merkel hat natürlich recht. Was in der digitalen Welt passiert, verändert unseren Alltag weit mehr als alles andere. Manche der kühnsten Zukunftsprognosen, die vor 25 Jahren der Film «Back to the future 2» angestellt hat, haben sich schon erfüllt, etwa Videotelefonie à la Skype oder Smartbrillen à la Google Glass. Noch im Jahr 2005 schrieben die Ökonomen Frank Levy und Richard Murnane in einem Buch, selbstfahrende Autos auf viel befahrenen Strassen würden nie möglich sein, denn die Komplexität dieser Aufgabe überfordere jeden Computer. Inzwischen hat Google führerlose Autos vorgestellt. Und die Spracherkennung ist so weit, dass wir E-Mails auf dem iPhone recht gut diktieren können – Siri versteht fast alles.

Keiner weiss, wie weit die digitalen Innovationen führen werden. Für uns Konsumenten bringen sie das Paradies, für uns Arbeitnehmer aber auch Bedrohungen: Forscher der Oxford-Universität kamen zum Schluss, dass 47 Prozent aller Jobs in den USA in den nächsten 20 Jahren automatisiert werden könnten. Der Graben zwischen gut und schlecht Ausgebildeten wird grösser, was zu sozialen Spannungen führen oder gar, wie gewisse Ökonomen vermuten, die Markwirtschaft bedrohen könnte. Die digitale Revolution – sie wird auch zur Herausforderung für Merkel und die Politik.

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