Der Kommentar: Wann wir auf die Welt kommen, können wir nicht selbst bestimmen. Wohl aber, wie wir sie am Ende unseres Lebens verlassen wollen. Diesbezüglich sind wir Schweizer ein privilegiertes Volk. In keinem anderen Land ist die Toleranz für den selbst bestimmten Tod so gross wie bei uns. Und sie nimmt weiter zu, wie die aktuellen Zahlen der Sterbehilfeorganisation Exit belegen.

Der Mitgliederzuwachs bei Exit widerspricht der gängigen Meinung, dass der Tod in unserer Gesellschaft verdrängt und tabuisiert wird. Dies betrifft nicht nur die Generation, die sich altersmässig eher Gedanken darüber macht, sondern auch zunehmend jüngere Menschen.

Das hat damit zu tun, dass immer mehr Kinder hautnah miterleben, wie es ist, wenn bei ihren Eltern die Kräfte schwinden. Sie sehen, wie Alzheimer den geliebten Menschen verändert, oder der Krebs und andere schwere Krankheiten an der Würde des Menschen nagen. Es ist die Kehrseite der Medaille, dass wir zwar immer älter, aber nicht gleichzeitig immer gesünder werden.

Die Mitgliederzahl der Sterbehilfeorganisation Exit wird deshalb auch in Zukunft weiter wachsen. Allein schon über die Möglichkeit zu verfügen und die Option zu haben, dass man sich in Würde und noch mit klarem Geist mit einem Todestrank von dieser Welt verabschieden kann, scheint für immer mehr Menschen eine tröstliche Option zu sein.

Die meisten Menschen auf dieser Welt haben diese Möglichkeit nicht. Sterbehilfe ist in fast allen Staaten verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Gut, dass die Schweiz hier liberale Vorreiterin ist.

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