«Ich ertrage Schnee nur drei Tage lang. Dann werde ich depressiv und muss schleunigst in die Wüste zurück», beginnt er.

Damals ist Saif al-Islam al-Gaddafi, wie er mit vollem Namen heisst, bloss der wohlgeratene Sohn von Muammar Gaddafi. Ein besonnener, weltgewandter Botschafter seines Landes.

Seit Freitag aber ist Saif (37) der zweitmächtigste Mann Libyens. Medien in Tripolis berichten, Saif erhalte mehrere hohe Posten. Alles deutet darauf hin: Revolutionsführer Gaddafi (67) regelt seine Nachfolge.

Was heisst der Aufstieg von Gaddafis Lieblingssohn für die Schweiz? Auf den ersten Blick scheint er positiv: Saif ist gut ausgebildet, er kennt die westliche Kultur und gilt als reformfreudig. Doch da ist noch ein anderes, persönliches Erlebnis.

Saif Gaddafi verliert im Interview nämlich auf einmal seine Ruhe. «Die Schweiz behandelte mich besonders schlecht», sagt er. «Sie warf mich 1993 aus dem Land. Sie sagten, du darfst nicht hier bleiben, du bist der Sohn des Führers.» Er wollte in Genf studieren. Ähnlich wie sein Bruder Hannibal fühlt sich Saif gedemütigt, und zwar nachhaltig: «Ich hoffe, die Schweiz macht das nie wieder. Weder mit mir noch mit der nächsten Generation», fügt er mit leicht drohendem Unterton hinzu.

Übermorgen Dienstag geht die Frist im Libyen-Konflikt zu Ende, die sich Bundespräsident Merz im Vertrag selber gesetzt hat. Wahrscheinlich lässt sie der Wüstenstaat verstreichen, ohne seine Pflichten zu erfüllen. Und ohne die Schweizer Geiseln freizulassen.

Saif Gaddafi, der neue starke Mann, wird wohl kein gutes Wort für die Schweiz einlegen.