Die Kraft der Bilder wirkt mehr als jede Kriminalitätsstatistik. Anfang Woche wurde mal wieder eine solche veröffentlicht. Demnach gibt es heute bei Jugendlichen fünfmal mehr Körperverletzungen und zehnmal mehr Nötigungen als vor 20 Jahren. Das macht nachdenklich. Aber richtig wütend wird man, wenn man den Clip vom Bahnhof Kreuzlingen im Internet anschaut.

Das Video gibt der Jugendgewalt ein Gesicht. Die Schläger-Jungs sehen gut aus und tragen coole Kleider. Eigentlich unvorstellbar, dass sie Brutalos sind. Einer stellte sich der Polizei, nachdem er sich im Video auf «20 Minuten online» gesehen hatte – angeblich konnte er sich nicht an die Tat erinnern. Er war sturzbetrunken.

Was tun, um die Gewalt zu stoppen? Man hört die ewig gleichen Forderungen: Killergames verbieten, Nulltoleranz und härtere Strafen, Gewaltprävention an der Schule. Ich mag die Forderungen nicht mehr hören: Setzt sie doch endlich um! Stattdessen lässt man die grinsenden Prügler nach wenigen Stunden wieder frei.

Der Video-Schocker von Kreuzlingen zeigt aber noch ein neues Mittel auf: Der Internet-Pranger scheint wirksam zu sein, sowohl zur Abschreckung als auch zur Fahndung. Sportminister Ueli Maurer hat das Web-Outing im letzten «Sonntag» bei Hooligans gefordert, diese Woche wurden in Luzern damit bereits Fussball-Krawallbrüder verhaftet. Gut, dass die Polizei auch gegen andere Gewalttäter das Internet einsetzt. Es darf nichts unversucht gelassen werden im Kampf gegen die Gewalt.