Viele Senioren sind es leid, stets als Kostenfaktoren thematisiert zu werden. Wenn über die AHV-Reform, die Krankenkassenprämien und die Pflegeheimfinanzierung gesprochen wird – immer sind die Alten das Problem. Es herrsche deswegen bei manchen Senioren «so etwas wie eine revolutionäre Stimmung», sagte mir eine Zuhörerin nach dem Podium. Tatsächlich muss sich in der Debatte um unsere alternde Gesellschaft einiges ändern. Vor allem sollten die Folgen nicht immer nur in Franken und Rappen bemessen werden. Wir sollten auch über die qualitativen Auswirkungen sprechen, von denen viele positiv sind.

Fangen wir bei uns selbst an: Möchten wir nicht lieber später als früher sterben? Und ist es nicht wunderbar, dass die Kinder heutzutage ihre Grosseltern länger und gesünder erleben – und diese oft auch einen Teil der Betreuung übernehmen? In unserer Gesellschaft leben inzwischen vier Generationen miteinander. Warum sprechen wir nur beim Zusammenleben verschiedener Ethnien, nicht aber verschiedener Generationen von einer kulturellen Bereicherung?

Mit der Aussicht auf gute Gesundheit und ein langes Leben können die Menschen gelassener sein, sich mehr Zeit lassen: Für die Ausbildung, um die Welt zu erkunden, bis zur Gründung einer Familie, und ja, auch bis sie sich pensionieren lassen. Es wäre gar nicht nötig, durchs Leben zu hetzen. In der Langlebigkeitsgesellschaft haben wir mehr Zeit für alles. Nun müssen wir es nur noch merken.

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