Der Kommentar: Dreijährige, die zu schwach sind, um zu laufen. Babys, in deren kleine Hände viel zu grosse Infusionen gelegt werden. Millionen Menschen, die weder zu essen noch zu trinken haben. Die Bilder, die uns in diesen Tagen aus Afrika erreichen, machen uns ratlos, hilflos – und sie lassen die Kassen der Hilfsorganisationen klingeln. Allein die Glückskette hat bislang fast 15 Millionen für Afrika gesammelt. Politiker übertrumpfen sich mit Hilfszusagen in Millionenhöhe. Die brutale Logik: je schlimmer die Bilder, desto höher die Spenden.

Natürlich ist es richtig, jetzt Geld für Afrika zu geben. Aber die Katastrophe zeigt auch: Wir müssen unser Spendenverhalten überdenken. Denn die Hungersnot war absehbar und hätte verhindert werden können. Bereits vor einem Jahr haben Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz vor einer schweren Dürre am Horn von Afrika gewarnt. Doch weil es keine Bilder von hungernden Kindern gab, interessierte sich niemand dafür. Es flossen kaum Spenden für Präventionsarbeit wie etwa die Einrichtung von Lebensmitteldepots – ein fataler Fehler.

Deshalb müssen wir umdenken. Wir sollten den Geldbeutel nicht nur öffnen, wenn Menschen sterben und das Elend täglich neue Rekorde bricht. Diese Art von Aktionismus mag zwar gut für unser Gewissen sein. Wenn wir aber wirklich helfen wollen, dann sollten wir dann spenden, wenn die Hilfsorganisationen, denen wir vertrauen, Alarm schlagen – und sei es noch so leise. Wir müssen ihnen die Möglichkeit geben, in Prävention zu investieren und Katastrophen zu verhindern. Das mag weniger aufsehenerregend sein. Aber es ist der effektivere Weg.

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