Sehr bemüht um den helvetischen Ausgleich ist etwa die SRG mit ihren sprachregionalen Sendegefässen. Pro Kopf erhalten die Deutschschweizer weniger, die Tessiner und Rätoromanen mehr aus dem Gebührentopf, als ihnen aufgrund ihrer Bevölkerungszahl zustehen würde. Diese Gewichtsverschiebung zugunsten der kleinsten Sprachgruppen ist wichtig, damit die Schweiz im Gleichgewicht bleibt. Niemand will dieses austarierte System infrage stellen. Er würde an den Grundfesten der Schweiz sägen.

Nichts gewonnen ist, wenn die vier Regionen allein für sich gedeihen und von den anderen in Ruhe gelassen werden. Entscheidend ist, dass sich die Tessiner, die Welschen, die Rätoromanen und die Deutschschweizer untereinander verständigen. Indem sie die Sprache des jeweils anderen sprechen, lernen sie sich gegenseitig schätzen oder zumindest respektieren.

Hier scheint in der hohen Berner Politik einiges im Argen zu liegen. Die Schwiizerdütsch-Welle führt dazu, dass viele Welsche nicht mehr mitbekommen, wie der politische Diskurs in der Deutschschweiz läuft. Dialekt-Politsendungen wie die «Arena» werden von der Bevölkerung im Tessin und in der Westschweiz nicht verstanden. Besonders frustrierend ist das für all jene, die mühsam Hoch-Deutsch gebüffelt haben.

Wenn eine Schweizer Delegation nach Rom reist und mit italienischen Amtskollegen auf Englisch verhandelt, ist das ein Armutszeugnis und zeugt von geringem Respekt gegenüber einer Landessprache. Es darf von der helvetischen Spitzendiplomatie erwartet werden, dass sie auf Deutsch, Französisch und Italienisch halbwegs eloquent verhandeln kann. Ein paar Wörter mehr als nur una tazza di tè senza zucchero wären nicht schlecht.

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