Antwort von Oswald Grübel: Weder noch, kann ich da nur sagen. Obama will Steuern erhöhen, hauptsächlich für Besserverdiener, Kapitalerträge, Dividenden und Erbschaften. Romney will sie senken. Die Erfahrung zeigt, dass derjenige, der Steuersenkungen verspricht, gewählt wird. Wir werden bald herausfinden, ob das in der grössten Demokratie der Welt noch so ist.

In Anbetracht der extrem hohen Schulden und – in absoluten Zahlen – des höchsten Haushaltsdefizits der Welt brauchen die USA dringend mehr Steuereinnahmen. Aber diese von den Demokraten geplanten höheren Steuereinnahmen werden nicht zur Reduktion der Defizite eingesetzt, sondern gerade wieder ausgegeben.

Die Republikaner und Romney wollen die Steuern senken, um die Wirtschaft anzukurbeln und durch höheres Wachstum die Steuereinnahmen steigern. Das Problem dabei ist, dass man Geld ausgibt, das man nicht hat, in der Hoffnung, dass mehr Geld zurückkommt. Unsere Demokratien haben sich an eine ständig wachsende Wirtschaft und den damit einhergehenden Wohlstand gewöhnt. Wir haben über Jahrzehnte mit gutem Wachstum die Sozialsysteme ständig verbessert und ungeheure zukünftige Verpflichtungen aufgebaut.

Selbst in dieser guten Zeit versprachen die Politiker immer mehr, um wieder gewählt zu werden, das ist nun mal Teil des demokratischen Systems. Deshalb sehen fast alle Politiker heute nicht – oder wollen es nicht zugeben, aus Angst nicht wieder gewählt zu werden – dass wir am Ende der Fahnenstange angekommen sind und weiteres Schuldenmachen die Fahnenstange nicht länger macht.

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