Die Nachricht: Nur knapp 5 Prozent der Angestellten in der Kinderbetreuung sind Männer. Die SP Zürich fordert eine Männerquote von 35 Prozent. Doch dagegen wird Kritik laut.

Der Kommentar: Die klassische Rollenverteilung ist fest in den Köpfen verankert: Geht es um Kinder, sind automatisch die Frauen zuständig. Das führt in der Schweiz zu einem massiven Ungleichgewicht der Geschlechter beim Betreuungspersonal in den Kinderkrippen.

Gerade Krippenbetreiber sind überzeugt, dass die Kinder vom Einfluss eines männlichen Betreuers profitieren würden. Doch die Branche ist kein Ponyhof. So stehen Männer, die diesen Beruf wählen, automatisch unter Generalverdacht, pädophile Neigungen zu haben. Einige wenige Ausnahmen haben ein verheerendes Männerbild geprägt. Und Misstrauen gesät.

Das geht so weit, dass einige Krippen bewusst keine Männer einstellen. Sie wollen kein Risiko eingehen. Wie aber sollen nun die Männer, für die der Beruf eine Herzensangelegenheit ist, ungezwungen mit Kindern umgehen? Werden sie doch ständig von der Gesellschaft beobachtet und vorverurteilt. Diesem Umfeld will sich niemand freiwillig aussetzen, und so kann man es keinem Mann verübeln, wenn er sich gegen diesen Beruf entscheidet.

Auch eine Männerquote, wie sie die SP Zürich lapidar fordert, kann in diesem Fall nicht viel ausrichten. Denn zwingen kann man niemanden. Tatsächlich ist es Zeitfür ein Umdenken. Selbstverständlich müssen Bewerber auf Herz und Nieren geprüft werden. Zwingend sind auch Regeln in der Krippe. Doch dies gilt genauso für Frauen. Seine Kinder in fremde Hände zu geben, hat mit Vertrauen zu tun. Die Gesellschaft sollte es den Männern nicht aus Prinzip vorenthalten.

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