Diese Woche hat mir niemand genau erklären können, warum sich Alex Frei aus der Tiefe seines Herzens bei Johan Vonlanthen hat entschuldigen müssen. Gut, er hat ihn am Tag davor mal kurz gehalten und gezupft. Aber das Leben des 23-Jährigen war kaum in Gefahr. Auch nicht, als Frei Sekunden danach mit der Wucht eines Drittklässlers beim «Völk» den Ball nach ihm warf. Unsportlich gewiss, Frei musste ja auch raus. Aber dann, der Würgegriff aus der Genesis: wie ein gefallenes Mädchen flehte der Nati-Captain bei Vonlanthen «demütig und nicht einfach so dahergeplaudert» im Hotelzimmer um Begnadigung. «Du sublime au ridicule il n’y a qu’un pas!» Manchmal wirken Entschuldigungen für einen Ausraster fataler als der Ausraster selbst.

Direkt aus dem roten Bereich zur Entschuldigungs-Rede trat Freis Team-Kollege Franco Constanzo vors TV: «So etwas ist mir noch nie passiert. Es tut mir sehr leid!» Nie zuvor habe ich einen Mann so erregt an den Haaren eines anderen Mannes reissen sehen. Da waren die Sommermädchen von Pro7 ja richtige Kerle! Adäquate Strafe für den FCB-Goalie: eine Runde Sägemehl mit Christian Stucki! Constanzos Sparringpartner Beg Ferati ist ungefähr so gross wie Stuckis linke Kniescheibe – soll der Argentinier mal lernen, wie Schweizer Männer kämpfen!

Vom Mädchen stolz gerissen hat sich der Luzerner SVP-Mann René Kuhn. Die landesweit erwartete Entschuldigung für seine Anfeindungen gegen «überemanzipierte Weiber» blieb aus. Kuhn leistet sich den Luxus der eigenen Meinung und zieht den Rücktritt dem bequemeren Bückling vor. Egal, ob seine Ansicht der «linken Vogelscheuchen» schäbig ist oder nicht, als Gegenbewegung zum Mädchentrend wirkt seine Konsequenz belebend. Wissen Sie was? Ich habe eine Bussen-Politesse «ungefickte Frustrierte» genannt. Ich nutze die Gelegenheit und entschuldige mich «demütig und nicht einfach so dahergeplaudert».