Der Kommentar: Die Schweiz lobt sich gerne für ihre gelebte Demokratie. Viermal im Jahr wird allein auf Bundesebene abgestimmt – und alles funktioniert. Viele Bürger stimmen zudem brieflich. Eine Urne haben die meisten schon lange nicht mehr gesehen. Und das ist gut so. Je weniger Hürden bestehen, desto mehr Schweizer nehmen ihre Volksrechte wahr. Das gilt umso mehr für junge Wähler. Da erstaunt die ewige Diskussion ums E-Voting.
Natürlich sollen solche Systeme nicht leichtfertig eingeführt werden, denn es geht um ein hehres Gut. Nicht nur gilt zu verhindern, dass Wahlen manipuliert werden. Auch bestehen hohe Ansprüche an die Privatsphäre. Niemand soll wissen, wie ich wähle. Doch das gilt nicht nur für die Politik.

Seit Jahren verkehre ich mit meiner Bank beinahe nur noch online. Ich rufe meinen Kontostand ab, zahle Rechnungen oder platziere Börsenaufträge. So wie viele Schweizer es auch tun. Und wie alle habe ich höchste Ansprüche. Ich erwarte, dass niemand an mein Geld herankommt. Und ich wünsche, dass niemand weiss, wie viel Geld auf meinem Konto liegt. Und alles funktioniert. Es gibt kaum Meldungen von gehackten Bankzugängen. Viele Banken verwenden zudem Software aus dem Ausland. Und doch ist bisher nicht bekannt, dass deswegen irgendein ausländischer Staat direkt Zugriff auf die begehrten Bankdaten gehabt hätte.

Warum schafft der Staat nicht, was die Banken lange vormachen? Und was Länder wie Estland eingeführt haben. Für E-Voting braucht es nicht mehr als einen gesicherten Zugang, über den man Ja oder Nein sagen kann. So schwer kann das nicht sein.

Mehr Themen finden Sie in der gedruckten Ausgabe oder über E-Paper